Auf der Spur der eigenen Herkunft: Lesung mit Jennifer Teege
Was bedeutet es, wenn man erfährt, dass der eigene Großvater zu den schlimmsten Tätern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie gehörte? Und wie geht man mit einer solchen Erkenntnis um? Mit diesen Fragen setzt sich die Autorin Jennifer Teege auseinander, die am Donnerstag, 26. März, um 19:30 Uhr auf Einladung der Gedenkinitiative Weyer/Enns in der Gemeindebücherei im Rathaus Weyer zu Gast ist.
Mit 38 Jahren stieß Teege in einer Bibliothek durch Zufall auf ein Buch über ihre Familie – und damit auf ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel ihrer Herkunft: Ihr Großvater war Amon Göth, der Kommandant des Konzentrationslagers Płaszów, bekannt aus dem Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg. Göth gilt als eine der grausamsten Figuren des NS-Regimes, selbst bei seiner Hinrichtung nach dem Krieg zeigte er als letzte Geste noch den Hitlergruß.
Als Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers hätte Teege selbst zu jenen Menschen gezählt, die Göth verfolgen und ermorden ließ. Aus dem Versuch, das Unfassbare zu begreifen, entstand ihr Buch „Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“. Darin verbindet sie auf eindrucksvolle Weise Zeitgeschichte mit ihrer persönlichen Biografie. Sie schreibt über das Spannungsfeld von persönlicher Herkunft und historischer Schuld sowie über den langen Prozess, sich der Vergangenheit zu stellen, ohne von ihr bestimmt zu werden.
Die Gedenkinitiative Weyer/Enns lädt mit dieser Lesung zu einem Abend des Zuhörens, Nachdenkens und gemeinsamen Erinnerns ein. Der Eintritt erfolgt auf Basis einer freiwilligen Spende. Musikalisch begleitet wird der Abend vom Weyrer Musiker Helge Stiegler.